Trends im Bereich Social Media kommen zumeist aus Nordamerika nach Deutschland und Europa. Dort wurde Social Media bereits zu Marketingzwecken genutzt, lange bevor diese in Deutschland populär wurde. Heute kann Xing bereits mehr als 7 Millionen Nutzer vorweisen und ist damit Marktführer im Bereich Business Networking in Deutschland. Auch Plattformen für Microblogging wie Twitter oder Identi.ca erfreuen sich stark wachsender Beliebtheit und sind zur Zeit in aller Munde.

Social Bookmarking
Beim ganzen Hype um Facebook, Twitter oder auch Xing wird eine Art von Social Media, für meinen Geschmack, zu sehr außer Acht gelassen. Das Social Bookmarking. Doch in dieser Form der Social Media steckt ein nicht zu unterschätzendes Potential. Auch und gerade für’s Marketing!
Die bekanntesten Anbieter für Social Bookmarking sind wohl Digg, Delicious und StumbleUpon, wobei Letzteres auf einem etwas anderen System basiert. Wer sich über alle Plattformen informieren möchte, dem kann ich nur (mal wieder) Seomoz empfehlen. Den Link finden Sie hier. Dort werden die wichtigsten Seiten zu diesem Thema umfassend vorgestellt. In Deutschland ist Mister Wong die wohl bekannteste Plattform.

Das System des Social Bookmarking ist leicht zu erklären. Man findet eine WebSite interessant, also fügt man sie zu seinen Favoriten hinzu. Dies geschieht jedoch nicht, wie herkömmlich im eigenen Browser, sondern auf einer oder mehrerer der Social Bookmark Plattformen. Diese “Favoriten” sind dann auch anderen Nutzern zugänglich, was den Unterschied zu einem Browser-Bookmark ausmacht.

Ich möchte mich nicht zu lange mit der Beschreibung aufhalten. Es gibt noch zahlreiche weitere Features der Anbieter und jede Plattform unterscheidet sich mehr oder weniger von den anderen. Die Systeme sind leicht zu verstehen und brauchen somit hier keine ausführlichere Darstellung.

Vielmehr soll es darum gehen, was Social Bookmarking für das Marketing eines Unternehmens leisten kann.

Das Social Bookmarking soll im Wesentlichen eine Plattform für ein digitales Word-of-Mouth bieten. Das dies das wirkungsvollste „Tool“ im Marketing ist, wird wohl niemand bestreiten. Nichts geht über einen zufriedenen Kunden, der die Dienstleistung oder das Produkt weiterempfiehlt. Doch so wirkungsvoll wie reale Empfehlungen eines Freundes oder Bekannten ist das digitale Word-of-Mouth leider nicht.

Jedes Unternehmen, das eine Präsenz im Internet hat, möchte so viele Besucher wie möglich auf dieser verzeichnen, welche natürlich im Idealfall auch Kunden des Unternehmens werden sollen. Sind diese zufrieden mit einem Unternehmen, so sollten sie auf der eigenen Webseite die Firma verlinken und somit auch deren SEO unterstützen. So jedenfalls würde Google das Internet am liebsten sehen. Da die Kunden jedoch in den meisten Fällen keine eigene Website haben und wenn, diese oftmals nicht unbedingt mit gutem Page Ranking ausgestattet ist, können sie das Unternehmen alternativ auf einer Social Bookmark Seite verlinken. So können andere Nutzer dieser Seiten sehen, dass diese Firma eine gute und vertrauensvolle Adresse ist. Dazu müssen jedoch am besten mehrere Nutzer diesen Link favorisiert haben, um (so gut wie) ausschließen zu können, dass die Bookmarks vom Unternehmen selbst gesetzt worden sind.
Ein Link bei den meisten Social Bookmark Plattformen ist ein sogenannter No-Follow Link. Ein solcher verbessert eine Seite im Google Page-Rank nicht. So kann eine Flut von Spam auf derartigen Plattformen vermieden werden.

Was sagt ein Bookmark über ein Unternehmen aus?
In erster Linie zeigt es, dass ein Nutzer die Seite des Unternehmens interessant findet. Dies muss nicht zwangsläufig, wie in dem dargestellten Fall, ein zufriedener Kunde sein. Wird ein Unternehmen jedoch von vielen Nutzern gebookmarkt, spricht dies mit ziemlicher Sicherheit für qualitativ hochwertige Produkte oder Dienstleistungen. Wobei das Wort “viel” hier relativ gesehen werden muss. Eine regional tätige Firma hat wesentlich weniger Chancen, eine große Anzahl von Bookmarks zu sammeln wie ein DAX30 Unternehmen. Hier spielen andere Faktoren der Vertrauensbildung eine Rolle.

In Deutschland scheint mir der Trend des Social Bookmarking noch nicht ganz angekommen. Nimmt man die in Deutschland, mit (nach eigener Aussage) 2.5 Millionen Nutzern im Monat, bekannteste Plattform Mister Wong, so wird man feststellen, dass es sich hierbei im Vergleich zu Digg, Delicious und StumbleUpon um einen “kleinen Fisch” handelt. Der Aufbau ist jedoch mit dem von Delicious zu vergleichen. StudiVZ hat zum Beispiel knapp fünf Mal mehr Bookmarks auf Delicious(2500) als auf Mister Wong (550), obwohl es hauptsächlich in Deutschland genutzt wird.
So umfassend wie seine “großen Brüder” aus den USA, muss Mister Wong auch nicht werden, um auch hier in Deutschland einen wirklichen Mehrwert zu bieten. Trotzdem scheint das Social Bookmarking in Deutschland noch weit von der vollen Ausschöpfung des möglichen Potentials entfernt zu sein.

Warum sollte ein kleines oder mittleres Unternehmen (KMU) sich im Social Bookmarking engagieren und dort netzwerken?
Auch bei der deutschen Plattform Mister Wong kann man ein Profil erstellen, Gruppen beitreten und mit sogenannten „Buddys“ Freunde verlinken, ähnlich dem Social Networking. Darüber hinaus kann man, wie beschrieben, eben auch Websites bookmarken.
Wirklich effektiv wird die Seite nur dann, wenn man viele Buddys hat. Diese sehen wenn man neue Websites favorisiert und werden diese dann wahrscheinlich auch anschauen und vielleicht sogar bookmarken. So kann man auch seine eigene Website favorisieren (sofern das noch keiner der Buddys getan hat) und es so, bei vielen Kontakten, auf die „aktuell populär“ Seite schaffen oder in die Hitlisten des Monats. Ist dies geschafft, sind neue Besucher auf der eigenen Website garantiert. Dies würde ein Amerikaner mit dem “Digg effect” bezeichnen. Dieser dürfte bei Mister Wong jedoch etwas kleiner ausfallen als bei Digg.

Man sollte jedoch nicht den Fehler machen, gleich jede einzelne Seite des eigenen Unternehmens zu bookmarken. So gewinnt man höchstens Freunde im Kollegenkreis. Favorisieren sollte man Seiten, die informativ oder spannend erscheinen. So können andere Nutzer nachvollziehen welche Interessen man verfolgt. Da bei geteilten Vorlieben oft “Freundschaften” entstehen, kann man sich auf diese Weise nach und nach ein Netzwerk aufbauen.

Rate ich nun jedem KMU in Deutschland, sich noch heute ein Konto bei Mister Wong anzulegen und seine ganzen Marketingaktivitäten dort hin zu verlegen?

Betrachten wir mein Lieblingsbeispiel eines Weinhändlers:

– Ich habe mal nachgeschaut und der am häufigsten gebookmarkte Weinhandel wurde bei Mister Wong von 27 Nutzern favorisiert. –

Die Antwort auf die oben gestellte Frage muss natürlich “Nein” lauten. Sich ausschließlich auf ein einzelnes Medium im Marketing zu konzentrieren ist in den meisten Fällen falsch. Schaden jedoch kann es in jedem Fall nicht, sich auch bei einer Social Bookmark Seite, ähnlich wie bei Xing oder LinkedIn, ein Netzwerk aufzubauen und vielleicht auf diesem Wege Neukunden zu generieren. Denn, Vertrauen strahlt ein guter Rang bei den Social Bookmarking Plattformen auf jeden Fall aus.
Für sinnvoll halte ich es, sich bei einer der Plattformen zu registrieren, zu bookmarken, dort zu netzwerken und sich somit eine gute Ausgangsposition zu sichern, für den Fall, dass der Trend irgendwann richtig nach Europa rüberschwappt. In den USA ist das Social Bookmarking eine „große Nummer“, ebenso wie Microblogging und Social Networking, bevor sie auch in Deutschland von der breiten Masse angenommen wurden.

Fazit
Einige werden sich fragen: Bekomme ich denn für einen solchen zusätzlichen Zeitaufwand auch wirklich neue Kunden? Das kann ich Ihnen nicht beantworten. Jedoch ist der Aufwand mit den Browser Add-Ons gar nicht so hoch, wie ich anfangs dachte. Man kann auch beim privaten Surfen einfach schnell auf seinen Lieblingsseiten ein Bookmark setzen.

Was nachher an neuen Kunden rausspringt liegt natürlich nicht in erster Linie an Bookmarks, sondern an der Überzeugungskraft der eigenen Website und vielen weiteren Faktoren. Ein zukunftsorientiertes Mittel seine Website zu unterstützen ist das Social Bookmarking in jedem Fall.

Ach ja: Mich finden Sie bei Delicious und Mister Wong unter dem Usernamen: platypusman.