Ich freue mich sehr heute meinen ersten Gastbeitrag präsentieren zu können. Anna Elise Kuhn studiert seit 2007 International Media Management an der Cologne Business School. Weitere Informationen zu ihrer Person findet Ihr auf ihrem Xing Profil.

Erfahrungsbericht zum Networking in China” von Anna Elise Kuhn:

Als Markus mich vor einigen Wochen fragte was gerade mir als Medien Studentin im Bereich Marketing/Networking in Beijing aufgefallen sei, muss ich zugeben etwas gestutzt zu haben.

Das erste was mir in den Sinn kam war, was hatte ich überhaupt von chinesischem Marketing oder Networking erwartet? Flimmernde LCD Bildschirme, die ganze Häuserwände bedecken; ununterbrochen klingelnde Handys, die von einer Flut an Werbemessages überschwemmt werden; Lautsprecher die einem 24h Werbeparolen durch die Ohren pusten? Kurzum, ich hatte ein China erwartet in dem Marketing von Unpersönlichkeit und Ignoranz bestimmt wird. Doch wie so oft sollte sich rausstellen, dass Vorurteile sich nur allzu oft als Trugbild erweisen und ein zweiter Blick auf die Dinge vieles ins Gegenteil umkehren kann.

Glücklicherweise hat meine unersättliche Neugier auf China mir die Chance gegeben, dass sich Beijing mir nun als eine fesselnde Stadt präsentiert, in der ein längerer Aufenthalt durchaus vorstellbar wäre, wenn mich universitäre Verpflichtungen nicht noch für ein Jahr zurückhalten würden.

Für mich ist Beijing als Metropole Chinas ist eine Stadt, die mit ihrem ganz eigenen Charme zugleich schockierend, als auch faszinierend sein kann. Eine Stadt, die von unzähligen Gegensätzen geprägt ist und jeden Tag zum Abenteuer macht. Eine Stadt, in der es dir passieren kann, dass du dich nach einem langen Arbeitstag Federbälle schmetternd mit den Nachbarkindern auf der Strasse wiederfindest oder mit Kollegen auf einem Networking Event in einer angesagten Location endest, auf welchem man von einem Gespräch ins nächste gleitet und feststellen muss, dass Marketing in China alles andere als unpersönlich ist.

Marketing in China – würde ich heute erneut vor diese Frage gestellt werden, wäre meiner Antwort der stirnrunzelnde Blick gewichen und würde folgendermaßen lauten:

Vielleicht mag das Stadtbild Beijings von ein paar mehr Leuchtreklamen geprägt sein, als das europäischer Städte, das Besondere ist jedoch die Fokussierung auf das Networking.

Auf Events, bei denen Expats neben Visitenkarten zahlreiche Erfahrungen austauschen und die ersten Fragen meist unverfroren lauten: „Was macht Ihre Firma? welche Position haben Sie eigentlich?“. Die deutsche Steifheit findet hier ihren grössten Widersacher und mag so manch einem zunächst das Gefühl von Unsicherheit und Unkompatibilität geben. Doch am Ende ist es genau diese Art des Marketings, welche wir uns abschauen können.

Guanxi (das chinesische Wort für Kontakte) wird hier in im Reich der Mitte von Expats und Chinesen gleichermaßen groß geschrieben. Und so finden Networking Events hier so gut wie jeden Tag statt. Öffnet ein neues Hotel/ eine neue Location ihre Tore, werden Leute eingeladen in dieser zu Networken und einen gemütlichen Abend zu verbringen. Ob einem dies nun liegt oder nicht, diese Form des Marketings hat in China eine lange Tradition. Ein Marketing, das erkannt hat, dass in der heutigen Zeit gute Kontakte unentbehrlich sind und das stupide Hin- und Herhuschen animierter Bilder zwar nicht ersetzen, aber komplementär ergänzen können.