Ich freue mich meinen Lesern heute wieder einen Gastbeitrag präsentieren zu dürfen. Diesmal von Julian Grandke:

Der Journalismus ist einer der Bereiche, der von der stetigen Digitalisierung in den letzten Jahren mit am meisten betroffen ist. Einschaltquoten fallen, Zeitungen und Magazine müssen die Auflagen senken und manches Kind fragt sich, was eigentlich dieses Radio ist, von dem seine Eltern hin und wieder mal reden.

Doch abseits der Pessimisten ist dieser Abfall traditioneller Medien die Chance sich nun frühzeitig auf die Suche nach neuen Geschäftsmodellen zu machen. Modelle, die die Zukunft der Medien entscheidend beeinflussen könnten. Medienenthusiasten wie Josh Marshall, Herausgeber des in den USA hochgelobten TPM (TalkingPointsMemo.com), sehen den Wandel daher als absolute Herausforderung.

Doch was heißt das Ganze für den einzelnen Journalisten? Nun hier geht es vor allem um die richtige Positionierung. Social Media ist dabei eines der wirkungsvollsten Tools, welches er hat.

1. Der Journalist als Marke
Nachdem durch die Verluste bei traditionellen Medien die Zahl der Festanstellungen in Zukunft weiter sinken wird, ist der Journalist gezwungen viele Kanäle zu bedienen. Die Zusammenführung dieser Kanäle findet mehr und mehr online statt. Aktives Networking und eine aussagekräftige Online-Präsenz mit Referenzen, dem Nachweis multimedialer Fähigkeiten und persönlichen Denkanstößen sind, sollte man nicht gerade den Status von Klaus Kleber oder Gundela Gause haben, auch für den Journalist die wichtigste Grundlage für eine erfolgreiche Karriere.

2. Vielseitigkeit als Grundvoraussetzung
Egal für welches Medium man als Journalist arbeitet, mittlerweile lässt sich fast alles über Videos, Podcasts und zahlreiche Formen der Textpublizierung auch online realisieren. Um dieses Feld zu erschließen ist jedoch viel mehr als die reine Contentproduktion erforderlich. Es ist zwingend notwendig die technischen Vorgänge dahinter zu verstehen, multimedial zu denken und ein Grundverständnis für Webprogrammierung zu entwickeln. Dann ist es auch möglich nebenbei einen neuen Markt für sich zu erschließen.

3. Experimentierfreude ist gefragt
Das Internet ist eine riesige Spielwiese. Für den Journalisten gilt dies aber vor allem in beruflicher Hinsicht. In Blogs und Podcasts lassen sich Ansätze für kommende Artikel oder neue Sendeformate ideal antesten. Das direkte Feedback der Nutzer ist nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ ein wertvolles Feature für die Entwicklung von neuem Content.

4. Nähe zum Leser
Ein Blog auf der eigenen Website kann zu Anfang ganz schön einsam sein. Daher gilt es über Seiten wie Twitter und Social Bookmarking Services seine Inhalte entsprechend zu verbreiten und zur Zielgruppe passende Online-Medien zu finden, um diese mit durchdachten Kommentaren zu bereichern. Umso eher lassen sich interessierte Leser auf den eigenen Blog führen und hier Diskussionen starten. Daher ist es wichtig die Kommentarfunktion nicht zu deaktivieren. Eventuell machen für den Anfang aus diesem Grund auch Dienste wie Tumblr oder Blogger als Blogheimat Sinn. Für Podcasts sind Seiten wie zum Beispiel Podster oder das englischsprachige BlogTalkRadio ein guter Anhaltspunkt für den Start.

5. Recherche online
Die Recherche im Internet gehört mittlerweile zum Muss für jeden Journalisten. Doch gerade soziale Medien stellen den Journalisten vor neue Aufgaben. Denn unbedachte Äußerungen können jederzeit per Mausklick gelöscht werden. Daher empfiehlt es sich für Rechercheergebnisse immer auch einen Screenshot zu machen, um im Zweifel abgesichert zu sein.

Fazit:
Am Ende kommt auch im neuzeitigen Journalismus alles auf Referenzen und Kontakte an. Doch es gibt wesentlich vielseitigere und kreativere Möglichkeiten zum Erfolg zu kommen. Wer seine Online-Präsenz im Griff hat, wird auch für traditionelle Medien im jeweiligen Feld interessant. Das ist gerade für Neueinsteiger eine Chance, wie es sie früher kaum gab.

Julian Grandke