Es gibt wohl kaum einen fernab vom elterlichen Haus wohnenden Studenten, der nicht schon mal mit einer im Internet beschafften Mitfahrgelegenheit nach Hause gefahren ist.

Zu meiner Studentenzeit welche kürzer zurückliegt, als man meinen mag war das sogar eine Art Sport. Man erzählte sich, was man am Wochenende für coole Mitfahrer gehabt hat, wie langweilig die Geschichten des Typen auf der Rückbank waren oder welche Macken die temporären Weggenossen sonst hatten. Nirgendwo, so schien es, konnte man so schnell interessante Leute kennenlernen (naja vielleicht im Cluburlaub, das ist aber ein anderes Thema). Diesen – ich bin wieder bei den Mitfahrern – ist man ja auch zumindest für einige Zeit ausgesetzt, was natürlich nicht immer nur positiv zu sehen ist.

Kurzum, die Geschichte mit dem abgesprochenen Mitfahrer aus dem Netz ist schon einige Tage alt. Als mein hoch geschätzter Kollege Daniel Rehn letzte Woche von flinc erzählte, ging mein erster Gedanke in die Richtung: Die werden es nicht leicht haben, sich gegen die etablierten Player durchzusetzen. Zu übermächtig scheint die Konkurrenz.

Doch bei weiterer Überlegung kam mir ein Beispiel in den Sinn, welches ich in der letzten Zeit recht häufig erzähle:

Im Zuge einer neuen Partnerschaft mit einem Online-Erotik Shop, war ich vor einiger Zeit in Bremen. Die dort ansässige Firma hat vor 2 Jahren den Entschluss gefasst, den Shop im Internet zu starten. Hmm, analog zu dem Mitfahrerportal ist mein erster Gedanke: Wow, spinnen die? Bei der Konkurrenz!

Dieser Gedankengang ignoriert jedoch einen Aspekt vollkommen: Dass man als Internetunternehmen nicht immer nur krampfhaft nach Nischen suchen muss, sondern einfach [nicht simpel] eine bestehende Idee aufgreifen und besser machen kann. Bei erwähntem Webshop wurde beispelsweise so viel Wert auf Design und Produktauswahl gelegt, dass kaum jemand in den ersten Minuten erkennt, dass es sich dabei um ein Erotik-Shop handelt.

-> Eine bestehende Idee genommen, diese modifiziert und damit eine neue Dienstleistung erschaffen. Easy as that!

Was dieses Beispiel mit flinc zu tun?

Auch hier wurde das Rad nicht neu erfunden ;). Das System, welches Social Network Elemente mit dem Mitfahrerportal verbindet, ist jedoch eine Erweiterung, die vorhandene Portale modifiziert und besser macht. Dies ließ auch hier eine neue Form der Dienstleistung entstehen, welche die existierende Idee auf eine neue Ebene bringt. Addiert wurde eine App mit hervorragender Usability und eine Plattform, die einem sehr schnell gute Ergebnisse liefert. Mitfahren leicht gemacht!

Stichwort Usability, hier einige Screenshots der flinc-App:

Flinc screenshots

Mitfahrerportal 2.0

Nicht nur wegen der Verbesserung der Idee ist das Wortspiel Mitfahrerportal 2.0 durchaus angebracht. Wer die Seiten von flinc mit denen anderer Mitfahrportale vergleicht, der wird schnell feststellen, dass bei flinc der Social-Effekt deutlich im Vordergrund steht.

Nutzer können durch die Mitfahrhistorie meist auf einen Blick erkennen, ob der potentielle Mitfahrer ein “vernünftiger” Nutzer ist. Wenn ich also beispielsweise sehe, dass der Kerl, der heute bei mir ins Auto springen will, schon mal bei einem meiner Freunde mitgefahren ist und dort positiv bewertet wurde, dann schafft das vor allem eines: Vertrauen. Zu meiner Mitfahrerzeit war das nämlich immer ein wenig, nun auf neudeutsch würde man “spooky” dazu sagen oder besser: der entscheidende Moment des Tages. Es wird sicher nicht nur einmal vorgekommen sein, dass das Auto beim bloßen Anblick des Mitfahrers einfach weiter gefahren ist. Glücklicherweise nie bei mir… Bei flinc aber haben sehr viele User ein Profilfoto eingestellt, was schon mal den ersten Eindruck verschafft.

Andersherum ist es natürlich genauso wichtig zu wissen, bei wem man einsteigt.Wenn meine Freundin mal irgendwo mitfährt, beruhigt es mich natürlich enorm, wenn andere vor ihr sicher angekommen sind. Wenn genau besprochen ist: mit wem, wo lang, wie lange, wie teuer, kann ich besser schlafen.

Positive Mitfahrhistorie, hinterlegte Daten und dokumentierte Absprachen erhöhen dementsprechend die Sicherheit – für Mitfahrer und Mitnehmer. Das gilt auch für Preisabsprachen. Ähnlich wie beim online Auktionshaus: Je mehr positive Bewertungen, desto besser.

Was ich damals als weiteres Manko der Mitfahrgelegenheiten gesehen habe, war die Zuverlässigkeit der Leute, oder besser, deren fehlende. Kurzfristige Absagen oder einfaches Nichterscheinen waren Szenarien, mit denen man eigentlich immer rechnen musste. Auch dieser Punkt scheint mir mit einem Social Network im Rücken leichter überblickbar, denn auch die Verlässlichkeit meines Gegenübers wird dokumentiert.

Wie oben beschrieben, kombiniert flinc mit Mitfahrerportal und Social Network zwei bekannte Ideen, konnte jedoch gerade durch die Symbiose der beiden Konzepte alte Missstände bei Konkurrenzprodukten ausmerzen. Vom technischen Vorsprung bei flinc ganz zu schweigen!

Man wird gespannt sein, wie der Launch vonstattengeht und wie viele User zu flinc strömen. Dies ist, wie auch bei anderen Social Networks, der kritische Punkt. Schafft man es viele Nutzer auf die Plattform zu holen, wird flinc ein ernstzunehmender Konkurrent der bestehenden Portale. Geschieht dies nicht, so nützen auch die besten Konzepte und die beste Technik nichts. Denn ein Mitfahrer-Netzwerk, in welchem niemand Mitfahrten anbietet scheint nicht besonders sinnvoll. Schaut es Euch an. Es lohnt sich!

BTW, ich suche noch eine Mitfahrgelegenheit im September zum Oktoberfest von Norden nach München :)

Zur Erklärung habe ich noch folgendes Video gefunden:

Was ist flinc? from flinc on Vimeo.

3 Responses so far.

  1. Peter says:

    Hi,

    interessanter Artikel. Das mit dem Vertrauen ist echt ein großer Pluspunkt und auch die mobile App macht hier Sinn.

  2. […] lesen: Muss das sein? Noch ein weiteres Mitfahrer-Portal? Und ob! (krawattentraeger.de) Ansprechpartner Kerstin Kitzmann Talkabout Tel.: 089 45995430 E-Mail Social Media […]

  3. […] zum Thema Flinc: Muss das sein? Noch ein weiteres Mitfahrer-Portal? Und ob! […]